Strukturen

  • Geschrieben am: 21 February 2019
  • von: Werner Noske

Hierarchische Strukturen

Aus dem Arbeitsleben sind die meisten von uns hierarchische Strukturen gewöhnt. Arbeitnehmer haben in der Firma kaum etwas zu melden. Sie müssen sich ihrem Vorarbeiter oder Abteilungsleiter unterordnen, dieser wiederum der Geschäftsführung. Der Erfolg des gesamten Untermehmens hängt damit im Wesentlichen vom vorhandenen Kapital und von der Kompetenz der Führungsebene in allen strategisch wichtigen Bereichen ab.

Gleiches gilt auch für andere Organisationen wie z.B. Parteien oder Vereine - und damit auch für Interessensgruppierungen innerhalb einer Bewegung.

Unternehmen und Organisationen scheitern - speziell bei unzureichendem Kapital - oft am Macht- und Konkurrenzdenken. Dieses verhindert meist - ebenso wie fehlendes Kapital, dass wichtige Positionen mit Menschen mit besonders hoher Kompetenz besetzt werden.

So verlangt z.B. ein kompetenter IT-Leiter oft ein Gehalt, das das des Geschäftsführers weit übersteigt. Wenn der Geschäftsführer das mit seinem Ego nicht akzeptieren kann, was meist der Fall ist, führt das dazu, dass dann ein wenig kompetenter IT-Leiter eingestellt wird, der wiederum weniger kompetente Softwareentwickler in das Unternehmen holt. Denn kompetentere Leute könnten ja schnell an seinem Stuhl sägen.

Hierarchische Strukturen - verbunden mit Macht- und Konkurrenzdenken - führen somit oft zum Scheitern - oder zumindest zu weit weniger Erfolg als dies bei einer Gemeinschaft möglich wäre, die an einem Strang zieht.

Bei Aufstehen ist dies bislang sehr ähnlich. Der Erfolg ist weitestgehend ausgeblieben, da das Interesse der Führungsebene aus dem Kreis der Initiatoren sich vor allem darauf beschränkt, über die gesamte "Bewegung" Macht und Kontrolle auszuüben. Die Kompetenz der Initiatoren - und insbesondere derjenigen, die in Parteien und im Bundestag beschäftigt sind, liegt im Wesentlichen im rethorischen und politischen Bereich. Speziell in diesem Bereich will man sich daher auch das alleinige Sagen sichern - und dieses nicht mit der Basis teilen.

Im Bereich Projekt- und Community-Management und im Bereich der IT sind dagegen praktisch keine Kompetenzen vorhanden - soziale Kompetenzen fehlen ebenso weitestgehend. Diese müssten also von der Basis zugeführt werden, fehlen dieser aber aber weitgehend ebenfalls.

Menschen mit hoher fachlicher Kompetenz sind meist nur dann Fans von hierarchischen Strukturen, wenn sie an der Spitze der Hierarchie stehen. Auch hier kommt also wieder das Macht- und Konkurrenzdenken ins Spiel, das den Erfolg verhindert. Das konnte man in den Monaten September bis Dezember in den Tech-Teams immer wieder beobachten, wo es immer wieder um das Interesse ging, die technische Lösung auf die Teillösung zu bringen, die im eigenen Kompetenzbereich lag.

Einzelkämpfer

Da die Kompetenzen im IT-Bereich sehr viefältig und unterschiedlich sind, finden sich kaum 2 bis 3 Spezialisten mit ausreichend Zeit für eine aktive, ehrenamtliche Mitarbeit zusammen, die die gleichen Interessen und die gleiche Vorbildung haben. Es gibt außerdem kaum etwas schwierigeres, als mehrere IT-Experten unter einen gemeinsamen Hut zu kriegen.

Wenn diese dann noch von der technisch inkompetenten Führungsebene ständig behindert werden, bleiben am Ende kaum noch ernsthafte Interessenten übrig, die sich eine Realisierung der technischen Infrastruktur antun. Das hat dazu geführt, dass sich das Tech-Team nicht mal über ein Konzept für Teillösungen einig wurde, sich vor Weihnachten zerlegt hat und praktisch nicht mehr existiert.

In dem Fall kommt ggf. ein kompetenter Einzelkämpfer mit viel Zeit und Engagement für die Aufgabe deutlich schneller und besser zu einem brauchbaren Ergebnis als ein Team, das keines ist, sondern ständig nur gegeneinander argumentiert und jede Lösung außer der jeweils eigenen zerredet.

So wurden dann auch zwischen Ende November 2018 und Februar  2019 die integrierte Abstimm- und Arbeitsplattform Aufstehen-Wiki.de für die aktiven Mitdenker und -gestalter - und jetzt diese Informations- und Abstimmungsplattform hier für die in der politischen und organisatorischen Organisation weniger aktiven Mitglieder der Bewegung - durch einen Einzelkämpfer erstellt.

Die ehemaligen Mitglieder des Tech-Teams sagen dazu jetzt natürlich, das sei ja nun eine "Einzellösung" und nicht demokratisch. Man müsse also stattdessen mit einer leeren Internetseite neu anfangen. Das ist natürlich Blödsinn, denn eine leere Seite hat für die Bewegung keinerlei Bedeutung - und eine von einem kleinen Grüppchen ausgesuchte Technik ist genauso wenig demokratisch wie eine, die von einem Einzelnen realisiert wurde.

Die demokratische Entscheidung über die von der Bewegung genutzen Plattformen kommt ganz einfach dadurch zustande, dass eine Plattform von größeren Teilen der Bewegung genutzt wird - oder eben nicht. Und nutzen kann die Bewegung nur Plattformen, die auch funktionieren und über die nicht nur geredet wird.

Demokratische Strukturen

Wenn Menschen neben fachlicher Kompetenz zusätzlich über hohe soziale Kompetenz verfügen, sind sie eher Unternehmertypen und Freunde demokratischer Strukturen. Diese sind allerdings in unserer neoliberalen Gesellschaft noch nicht sehr verbreitet.

Anhänger hierarchischer Strukturen kommen daher natürlich immer wieder mit dem Argument, Basisdemokratie funktioniere ja in der Praxis nicht, sondern ende immer in Chaos und Anarchie. Dieses Argument kam auch vor ein paar Wochen wieder von Fabio de Masi im Rahmen einer Diskussion in einer Hamburger Ortsgruppe.

Das stimmt so aber nicht. Es gibt durchaus bereits funktionierende Unternehmen mit demokratischen Führungsstrukturen - und das auch in Deutschland. Ein paar Beispiele werden in diesem Artikel genannt.

Natürlich funktionieren solche demokratischen Strukturen nicht von allein, sondern nur dann, wenn möglichst viele Beteiligte wirklich an einem Strang ziehen und gemeinsam etwas neues auf die Beine stellen wollen. Um dahin zu kommen, braucht man also wieder kompetente und aktive Führungsleute.

Wenn Auftstehen als Bewegung funktionieren soll, dann muss es zu einem großen, bundesweiten Netzwerk werden, das sich aus vielen - weitgehend voneinander unabhängigen - Kompetenzzentren zusammensetzt. Diese Kompetenzzentren können z.B. sein

  • Regionale Gruppen in Städten oder Bundesländern,
  • Gruppen zu bestimmten abgegrenzten Themen,
  • Vereine, die die rechtliche und finanzielle Basis für bestimmte thematische oder regionale Teilbereiche sicher stellen.

Diese Kompetenzzentren können je nach Aufgabe sehr unterschiedliche Größen haben. So können sich z.B. eine Hand voll Menschen vor Ort oder online treffen und gemeinsam an einem Thema arbeiten. Diese Zusammenarbeit erfordert keine besondere Organisationsform und kann in der Bewegung jederzeit und überall entstehen - oder sich auch wieder auflösen. Ob etwas dabei heraus kommt oder nicht, hängt immer von den jeweiligen Teilnehmern ab.

Auch bei demokratischen Strukturen kommt es also an vielen Stellen der Organisation auf Kompetenz an. Es bringt sicher nichts, wenn drei Menschen in der Kneipe diskutieren, ohne zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen und dieses in die Öffentlichkeit zu tragen.

Genauso wenig bringt es uns voran, wenn Millionen von Menschen über Konzepte abstimmen, denen keinerlei Fachwissen oder Kompetenz zugrunde liegt. Denn Ansätze, die nicht funktionieren, sind ganz sicher keine Lösung für unsere Probleme - egal von wievielen Menschen sie befürwortet werden.

Und bei Konzepten, die die Normalbürger nicht verstehen können, kommt es dann bei herkömmlicher Mehrheitsabstimmung wieder dazu, dass die Lösung gewinnt, deren Vertreter die Masse manipulieren können - z.B. durch ihren Prominentenstatus oder auch mit Hilfe des Einflusses auf Massenmedien.

Solange keine Transparenz herrscht und die bestehende Verteilung von Macht und EInfluss aufrecht erhalten wird, ändert auch direkte Demokratie nichts am bestehenden System. Das sollte sich jeder ganz klar machen.

Um die Welt positiv zu verändern und gerechter zu machen, sind also folgende Dinge erforderlich

  • mehr Wissen über politische und wirtschaftliche Grundlagen (politische Bildung)
  • Nachdenken und Beteiligung an Online-Debatten und -Abstimmungen und
  • mehr Übung in wirklich demokratischem Verhalten durch aktives Mitdenken und Mitmachen.

Genau diese Dinge sollen die beiden Plattformen Aufstehen-Blog.de und Aufstehen-Wiki.de ermöglichen!

Bundesweite Vereinsgründung

Neben lockeren Personengruppen ohne besonderen Status kann es in der Bewegung auch bundesweite Vereine zu bestimmten Themen geben, die z.B. die bundesweite Vernetzung fördern, durch Gemeinnützigkeit das Fundraising für seine jeweiligen Vereinszwecke verbessern, öffentliche Zuschüsse beantragen und gemeinsam den Erfolg einer oder mehrerer Internetplattformen sicher stellen können.

Auch die Gründung verschiedener Vereine zu verschiedenen Zwecken hat nichts mit einer Zersplitterung der Bewegung zu tun, wie viele Anhänger zentralistischer Strukturen meinen. Denn jeder dieser Vereine sollte ein eigenständiges Kompetenzzentrum sein, das im Rahmen der Bewegung seinen speziellen Zweck erfüllt.

Die einzelnen Vereine sollten möglichst zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen, um die Bewegung zu vergrößern und zusammen zu halten. Notwendige Voraussetzung ist aber auch das innerhalb einer Bewegung nicht. Denn eine Bewegung ist immer ein relativ lockereres Bündnis ähnlich Denkender - und keine Zwangsgemeinschaft, die sich in Allem und Jedem auf einen gemeinsamen Nenner einigen muss.

Ein einzelner Verein ist also immer nur die gemeinsame Interessensvertretung einer einzelnen Gruppe innerhalb der Bewegung - und nicht für alle MItglieder der Bewegung bindend. So ist auch der Trägerverein in Berlin nur die Vertretung der Initiatoren und hat für die Mehrheit der Bewegung keine praktische Bedeutung, denn die meisten von uns sind in diesem Verein ja kein Mitglied. Der Trägerverein kann also auch nicht darüber befinden, was Nichtmitglieder oder andere Vereine tun dürfen oder auch nicht!

Neben mehreren bundesweiten Vereinen kann es auch regionale Vereine geben, die nicht unbedingt gemeinnützig sein müssen, Räume für Treffen anmieten oder auch regionale Aktionen organisieren, finanzieren und gegenüber den Behörden verantworten. Mecklenburg-Vorpommern hat z.B. bereits einen solchen Verein auf Länderebene gegründet.

Wir, als eine Gruppe bewusster und kompetenter Mitglieder von der Basis, planen für März 2019 die Gründung eines bundesweiten, gemeinnützigen Stiftungsvereins "Stiftung für politsche Bildung und eine neue soziale Gesellschaft e.V.". Mehr Infos dazu folgen im Bereich Vereinsgründung.

Kommentare

Heute erhalte ich eine Mail in der Frau Wagenknecht erkilärt warum sie sich aus dem Verein zurückzieht.Eigentlich hatte ich doch schon eine Auskunft das Frau Wagenknecht im Verein nicht involviert ist.Also noch etwas mehr Verunsicherung der Basis, man weiß nicht so recht was man da von halten soll. Fakt wird wohl sein das die Partei von Frau Wagenknecht ihr wohl gedroht hat den Stuhl vor die Tür zu setzen. Es gab doch eine menge Kommentare die sich drückend in die Wunde der Linken legte und mit Kritik nicht gespart hat.Also die Ansage in Zukubft Linke oder SPD zu wählen ist doch wohl nicht im Sinne vieler Wähler.Die SPD hat bewiesen das sie zu 99,5% aus Volksbetrügern besteht. Die jetzige Not mit dem Wählerschwund verursacht die Offenbarung der angeblich doch so sozialen Ader dieser Partei.Daran kann ich überhaupt nicht glauben Wer einmal betrügt wird das immer wieder versuchen.Leider ist unser System auf Parteien ausgelegt und wer etwas ändern will kann das nachhaltig nur mit einer Partei in die Wege leiten.Da frage ich mich was soll überhaupt mit "Aufstehen" bewirkt werden. Zur Zeit lachen sich die Politiker fett wenn ein Grüppchen von Aufstehen irgend wo demonstriert. Das tut Ihnen nicht weh und wird im Endeffekt nichts bewirken.Was Ihnen weh tut ist jeder Verlust von Geld und Macht. Und da die Bürger nicht einmal reagieren wenn die Polizei offen zugibt wenn sie grundgesetztwidrig handelt und auf den Autobahnen Bewegungsprofile erstellt die anschließend an FB verkauft werden können sehe ich doch sehr schwarz in Bezug auf die Bürgerrechte in diesem Staat.Die Frage ist nun was aus dieser Bewegung wird und wie diese Bewegung endlich einmal in die Lage versetzt wird der Politik Geld und Macht streitig zu machen.Oder wird es doch eine Partei werden? Ich habe zum Beispiel nur im vorigen Jahr Krankenkassen, Pflegekassen und auch Jobcentern insgesamt.45.000 Euro an Schaden bereitet die den Bürgern , für die ich gearbeitett habe, zugute kamen. Also, ich wünsche mir minestens 10.000 Mitstreiter die ebenfalls diesen Selbstbedienungsläden die zu Unrecht einbehaltenen Gelder entreißen. Das ergibt dann eine Summe wo die politischen Betrüger im Land wach werden.Aber ich sehe schon das ich meine Taten weiterhin alleine durchführen muss, die Leute vom Aufstehen sind alle mit Demonstrieren beschäftigt und haben für ergebnisreiche Arbeit keine Zeit mehr.Das wars dann! Ich habe viel Zeit verschwendet,warum auch, ich war doch schon seit 2004 aufgestanden!

Ich höre und lese Heute zum ersten mal das es Sie/Dich gibt. Ein Glück das es Aufstehenplattformrn gibt den wie sollte sonst jemand erfahren was läuft geschweige denn was wir tun können. Dein Einsatz ist auf keinen Fall unnütz sondern es muss nur bekannt gemacht werden. Dann werden immer mehr Menschen kommen und sagen, da will ich mit machen und mich einbringen. Denn "denn was nützt es einer schönen Frau im Dunkeln zu winken".

 

Dass eine Bewegung keine Führung bzw. hierarchische Struktur braucht, sehen wir an den Schwärmen von Fischen und Vögeln - schon mal die Stare über Rom auf der Suche nach Ruheplätzen für die Nacht gesehen?

Die Bewegung eines Schwarmes funktioniert erstaunlich kollisionsfrei, indem jeweils jedes Individuum sich mit seinen unmittelbaren Nachbarn abstimmt, wobei alle ein gemeinsames Anliegen in ihrer gemeinsamen Schwarmbewegung verfolgen.

So sehe ich das Wesen von Aufstehen darin, dass sich in den Ortsgruppen Menschen zusammenfinden, die als gemeinsames Ziel sehen, einen Beitrag zu leisten, die Welt für uns und unsere Mitmenschen ein kleines bisschen besser zu machen, indem wir miteinander darüber ins Gespräch kommen, wofür jede/r Einzelne aufstehen möchte und wir es dann gemeinsam tun.

Überregionaler bzw. bundesweiter Austausch braucht ebenso eine Infrastruktur wie die Ortsgruppen in irgendeiner Form in der Öffentlichkeit sichtbar und erreichbar sein müssen, um neue Mitstreiter zu erreichen. Die Herausforderung liegt wohl für alle Beteiligten darin, das Vertrauen aufzubringen, sich auf ergebnisoffene Kommunikation einzulassen statt Kontrolle anzustreben.